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daniel

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mathe lesen statt rechnen

· das kleine einmaleins darf im kopf billig und still werden. dann hat die richtige mathe endlich platz.

Ich möchte, dass meine Kinder das kleine Einmaleins auswendig können — die Reihen bis zehn, ohne nachzudenken. Nicht weil Auswendiglernen an sich gut wäre. Sondern weil Mathe sich anders anfühlt, sobald die Tabelle nicht mehr berechnet werden muss, sondern abrufbar ist wie ein bekanntes Wort.

Wenn ein siebenjähriges Kind auf “6 × 8” stößt und es ausrechnen muss, frisst dieses Ausrechnen das Arbeitsgedächtnis auf. Die eigentliche Aufgabe — das Textproblem, der Bruch, die Fläche des Rechtecks — muss warten. Bis die Multiplikation endlich da ist, hat das Kind die Hälfte vergessen, was es eigentlich rechnen wollte.

Wenn “6 × 8” sofort kommt, bleibt das Arbeitsgedächtnis bei der eigentlichen Aufgabe. Mathe fühlt sich plötzlich anders an. Mehr wie das Lesen eines Satzes als das Abarbeiten eines Programms.

Das ist Automatizität. Derselbe Grund, warum wir “und” oder “der” nicht mehr Buchstabe für Buchstabe entziffern — wir erkennen das Wort als Ganzes und gehen weiter. Die schwere Arbeit hat sich vom Entschlüsseln zum Verstehen verschoben.

Tabellen pauken ist unmodern. Die Sorge ist, es würde die Freude an der Mathematik töten. Ich glaube das Gegenteil — es nimmt die Reibung weg, die die Freude überhaupt erstickt hat.

Für meine eigenen Kinder drucke ich Arbeitsblätter und wir üben — sanft, regelmäßig, in kurzen Einheiten. Fünf Minuten. Nicht eine Stunde. Die Arbeitsblätter liegen auf dieser Seite.

Nicht jeder Teil des Lernens muss so automatisiert werden. Aber die Teile, auf die alles andere aufbaut — das kleine Einmaleins, das Stellenwertsystem, die häufigsten Brüche — sollten im Kopf billig und still sein. Dann hat die eigentliche Mathe die ganze Aufmerksamkeit.